08.06.2018

Begleiten statt Erziehen

Wie Du ja vielleicht bereits weißt, beschäftige ich mich gerne mit der Bedeutung mancher Worte und bin ja auch ansonsten jemand, der gerne Dinge hinterfragt.
Und so geht es heute in den folgenden Zeilen mal wieder um das, was Hunde (und auch wir Menschen) wirklich brauchen und was in so manch Köpfen an Überzeugungen herumspukt, die ja doch häufig „nur“ von anderen übernommen wurden, ohne es selbst tatsächlich erfahren oder auch einmal auf Richtigkeit und Wahrheit überprüft zu haben.

Vielerorts höre ich immer wieder „Hunde muss man erziehen“…
Hast Du Dir das Wort „Erziehung“ tatsächlich schon einmal genauer angeschaut?
Richtig, darin steckt das kleine, unscheinbare Wörtchen „ziehen“ und genau so läuft Erziehung oft, es wird an einem anderen Wesen gezogen und gezerrt in alle möglichen Richtungen, solange bis es genau so ist bzw. zu sein scheint, wie man es denn gerne hätte. Und wehe das funktioniert nicht! Dann wird eben noch mehr gezogen und gezerrt und unter Umständen kommt dann auch mal schnell Druck oder Gewalt ins Spiel (Gewalt hat viele verschiedene Gesichter und zeigt sich häufig nicht gleich offensichtlich). Alles immer so lange bis das andere Wesen dann irgendwann endlich so ist und sich so verhält wie es in die Vorstellung des Erziehenden passt…
Aus meiner Sicht ist das ziemlich unfair, denn Hunden und auch Kindern wird dadurch Vieles aberkannt, nur wenig zugetraut, sie dürfen keine eigene Stimme haben, keine eigenen Erfahrungen machen, nicht in ihrem eigenen Tempo gehen, haben nur wenig Gelegenheit mit Freude zu lernen und kaum Freiraum sich tatsächlich zu entwickeln, sprich sie werden häufig einfach nicht gesehen!

Vielleicht kennst Du das ja selbst aus Deiner eigenen Kindheit oder einfach der Zeit, in der Du sehr auf andere angewiesen und abhängig warst… Und leider geben wir unbewusst und auch oft ungewollt genau die Dinge, die wir selbst als negativ empfunden und erlebt haben, an andere, scheinbar schwächere Wesen weiter… es entsteht ein Teufelskreis, der irgendwann auf lange Sicht eben nicht zu innerer Stärke, Selbstbewusstsein, Selbstvertrauen und Gesundheit führt, sondern genau zum Gegenteil…

Ich möchte Dich gerne dazu ermutigen, einmal über verschiedene Dinge nachzudenken und vor allem einmal anzufühlen… Muss denn ein Hund tatsächlich „erzogen“ werden? Muss man einem Hund tatsächlich mit verschiedenen Methoden beibringen, dass er selbst überhaupt nichts wert ist, nicht selbstständig denken kann und einfach nur funktionieren muss?
Wie wäre es , wenn Du einmal ausprobierst wie es ist eine völlig neue Haltung anzunehmen? Wenn Du ausprobierst einmal ein bestimmtes Wort durch ein anderes zu ersetzen? Wenn Du Dich traust einmal Dinge, die Du immer wieder tust, zu hinterfragen und Dir überlegst, ob das denn tatsächlich auch zu Dir und Deinem Hund passt? Wenn Du Dich traust zu hinterfragen, ob es nicht auch noch einen anderen Weg gibt, um ans gewünschte Ziel zu kommen?
Hunde (und auch Kinder) kommen perfekt auf die Welt! Von ihrer Mutter und den Geschwistern werden sie liebevoll und perfekt vorbereitet auf das zukünftige Leben. Es ist also alles schon da, wenn wir uns erlauben, einmal hinzuschauen und tatsächlich zuzuhören!
Natürlich braucht jedes Wesen, dass in einer Gemeinschaft lebt, Regeln und Grenzen, damit diese Gemeinschaft in Harmonie bestehen kann. Dazu muss ich jedoch nicht an einem Wesen, dass bereit ist mir zuzuhören und mir zu vertrauen, ständig ziehen und zerren und ich muss auch nicht versuchen, es zu verbiegen. Ich darf mir stattdessen meiner Rolle, Aufgabe und Verantwortung bewusst werden und dieses Wesen ganz liebevoll und geduldig in seiner Entwicklung begleiten. Ich darf ihm zeigen, dass ich da bin, bereit es zu schützen, zu verteidigen und vor allem es zu verstehen. Ich darf es sehen in all seinen Bedürfnissen, Wünschen, Ansprüchen, mit all seinen Ecken und Kanten und es dann als Geschenk in meinem Leben annehmen. Ich darf ihm zuhören, es um seine Meinung fragen. Ich darf es bitten, mir Dinge zu zeigen, die ich bisher noch nicht wahrgenommen habe.
Ich darf ihm die Welt zeigen und erklären und es Schritt für Schritt und in seinem ganz eigenen Tempo einfach wachsen lassen.
Ich darf auf dieses Wesen eingehen, es sehen in seiner Vollkommenheit und Ganzheit und ich darf es so annehmen wie es ist und von Mutter Natur auch gemeint war!

Vielleicht magst Du ja einmal anfühlen, was es mit Dir macht, wenn Du aussprichst „ich begleite meinen Hund“ anstatt „ich erziehe meinen Hund“ ;-) Das macht etwas mit Dir und auch mit Deinem Hund und vielleicht kann auf einmal ein bisschen Leichtigkeit einkehren, vielleicht fällt ein wenig Druck von Dir und auch Deinem Hund ab, vielleicht geht es Euch beiden damit schon wieder ein Stück besser und vielleicht kann sich auf diesem Weg Eure Verbindung schon wieder zum Positiven verändern. Ich wünsche es Euch von ganzem Herzen!

Wenn Du Dir hier an dieser Stelle Unterstützung wünschst und vielleicht manchmal einfach nicht weißt, wie Du Dinge anders angehen kannst, so darfst Du Dich sehr gerne bei mir melden! Gemeinsam können wir schauen, was Dein Hund tatsächlich braucht, welche Ansprüche und Bedürfnisse er hat und wie Du diese Herausforderung in Eurem gemeinsamen Alltag meistern kannst. Und ganz nebenbei hast Du die Möglichkeit, noch sehr viel über Dich zu lernen, Dir eine neue Sichtweise anzueignen und Dich selbst zu erkennen und zu finden ;-)

Alles Liebe wünscht Dir Franziska