13.05.2016

Beziehung statt Erziehung

Aus gegebenem Anlass möchte ich hierzu ein paar Gedanken dalassen…

Immer wieder kommen Menschen zu uns, deren Erwartungshaltungen wir enttäuschen müssen. Viele von ihnen suchen nach einer schnellen Lösung für ein bestehendes Problem mit ihrem Hund. Viele wünschen sich eine schnelle Behandlung von Symptomen. Einige erwarten von uns eine Art Betriebsanleitung für den Umgang mit ihrem Hund an die Hand zu bekommen. Wir sollen Hunde trainieren und ihnen etwas beibringen. Nur wird leider oft vergessen oder nicht bedacht, dass Hunde keine Maschinen sind, sondern Lebe-Wesen. Und jedes dieser Lebe-Wesen hat seine eigene Persönlichkeit, eine eigene Geschichte, individuelle Kompetenzen und Fähigkeiten, eine eigene Gefühlswelt. So wie wir Menschen auch.
Dass wir keine normale Hundeschule sind, habe ich in diesem Blogbeitrag bereits beschrieben.

Jetzt nehmen wir mal an, wir holen uns einen Welpen oder einen Straßenhund aus dem Ausland in unser Leben oder unsere Familie. In den meisten Fällen bekommen wir ein Wunder der Natur an die Hand, in sich gesund und perfekt ausgestattet mit allem, was man zum Leben braucht (das könnte man auch auf ein Kind, ein Pferd oder ein anderes Haustier übertragen).
Und oft schon in den ersten Stunden des Zusammen-Lebens fängt das Dilemma an und ein Teufelskreis beginnt.
Weil wir Menschen vergessen haben, wer wir eigentlich sind und uns selbst so weit von der Natur und unserem Ursprung entfernt haben. Bewusst oder unbewusst fangen wir an, an diesem Wunder der Natur herum zu schrauben und es so zu verändern, dass es in unser Weltbild oder unser Schema passt. Dieses Lebe-Wesen soll funktionieren, auf uns hören, alles machen,was wir sagen und bloß nicht auffallen. Wir versuchen also, es in einen Rahmen zu pressen wie ein Designerbild. Nur um dort bleiben zu können, muss dieses Lebe-Wesen aufhören zu leben und kann eigentlich nur noch existieren.
Und damit das Designerbild auch perfekt in den von uns vorgegebenen Rahmen passt, besuchen wir Hundeschulen und Hundeplätze und schleppen unsere Hunde zum Sport, damit sie auch ja genügend ausgelastet sind. Wir degradieren diese wundervollen Lebe-Wesen zu abgestumpften Befehlsempfängern, machen „Zirkuspferdchen“ aus ihnen, in dem wir sie konditionieren und ihnen Kunststücke beibringen. Wir untersagen ihnen, eine eigene Meinung zu haben und selbstständig zu denken. Gefühle zu haben und diese auch zu zeigen, sprechen wir ihnen sowieso ab.  (Eine Aufzählung der Methoden mit denen man all dies erreicht und Hunden Grundgehorsam und Unterordnung beibringt, spare ich mir an dieser Stelle…)
Spätestens nach ein paar Monaten ist von dem kleinen perfekten Wunder der Natur nichts mehr übrig, das innere Gleichgewicht gekippt… Die Liste der daraus resultierenden Störungen und Krankheiten ist sehr lang, u.a. gehören Verhaltensauffälligkeiten, Allergien und Epilepsie dazu.

Aber hat der kleine Welpe oder Straßenhund aus unserem Beispiel es nicht verdient, gesehen und respektiert zu werden? Warum können wir ihm nicht ein Kontaktangebot machen, ihm mit wertschätzender Kommunikation entgegen treten und einfach erst mal die Antwort abwarten und diese dann auch akzeptieren? Warum darf dieses Lebe-Wesen nicht auch einmal nicht einverstanden sein? Warum darf es nicht „nein“ sagen? Warum können wir ihm nicht auf Augenhöhe begegnen und als gleichwertigen Partner ansehen? Und wieso sind wir so wenig fähig, uns in eine Beziehung zu begeben und auf eine echte Partnerschaft einzulassen?
Vielleicht weil wir vergessen haben zu fühlen und auch nie gelernt haben, wie man mit Gefühlen umgeht… Vielleicht, weil wir nie gelernt haben, etwas auszuhalten und uns mit unserem Gegenüber tatsächlich auseinander zu setzen… Vielleicht, weil es unangenehm ist, den Spiegel vorgehalten zu bekommen… Vielleicht, weil in unserer Welt alles perfekt sein muss… Vielleicht, weil es einfach sein soll und nicht unbequem… Vielleicht, weil wir vergessen haben, wer wir wirklich sind… Vielleicht, weil wir uns dann so Vieles eingestehen müssten… Vielleicht, weil uns die Wahrheit nicht gefällt… Vielleicht weil wir dann hilflos und ohnmächtig sind…

Uns tut es in der Seele weh, in unserer Arbeit fast täglich Hunde zu erleben, die genau diesen Weg hinter sich haben und auch weiter gehen müssen. Hunde, die als Designerbild in einen Rahmen gepresst wurden und keiner jemals gefragt hat, ob sie da rein passen (wollen). Hunde, die jegliches Vertrauen in Menschen und Artgenossen verloren haben. Hunde, die nur noch ein Schatten ihrer Selbst sind und ihre Persönlichkeit irgendwo auf diesem Weg abgegeben haben. Hunde, die gelernt haben, zu funktionieren und ihr Schicksal still ertragen. Hunde, die bereitwillig Tag für Tag den „Seelenmüll“ ihrer Menschen tragen. Hunde, die trotz all dem gerne bei ihren Menschen sind und diese auch so lange wie möglich begleiten möchten. Hunde, von denen wir lernen können, was es heißt, zu SEIN…

Mein Wunsch ist, dass die Menschen endlich verstehen und würdigen können, was für ein Geschenk sie da an ihrer Seite haben. Dass sie endlich anfangen, bei sich selbst zu schauen anstatt immer nur im Außen zu suchen. Dass sie aufhören, anderen die Schuld für ihre Situation zu geben. Dass sie andere nicht mehr für ihre Zwecke missbrauchen müssen. Dass sie wieder anfangen zu fühlen und bereit sind, sich selbst und ihren Hund neu kennen zu lernen. Denn genau dann kann eine wundervolle, tragfähige und gesunde Beziehung entstehen.
Aus tiefstem Herzen bin ich bereit, Menschen mit all meinen Möglichkeiten auf diesem nicht immer leichten Weg zu begleiten und zu unterstützen, vorausgesetzt sie bringen die notwendige Offenheit und Bereitschaft dafür mit!

Eure Franziska

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