14.08.2020

Das Ding mit der Konditionierung

Der Begriff Konditionierung ist Dir sicherlich geläufig. Gerade in der Hundeerziehung und im Hundetraining wird er ja sehr häufig benutzt.
In den vergangenen Jahren habe ich mich viel mit diesem Thema beschäftigt und tatsächlich habe auch ich früher mit meinen Hunden einiges auf dieser Basis gemacht und erarbeitet. Jedoch hatte ich stets das Gefühl, es fehlt etwas…

In vielen Hundeschulen wird auch heute noch ausschließlich über Konditionierung gearbeitet. Am bekanntesten ist sicherlich das Führen eines Hundes über Leckerli, das Clicker-Training und die zahlreichen klassischen Befehle wie Sitz, Platz, Bleib, Fuß und dergleichen.
Inzwischen hat sich in den letzten 10 Jahren dahingehend vieles verändert. Immer mehr Menschen suchen nach einem anderen Weg mit ihrem Hund, weil sie mit den klassischen Methoden nur bedingt oder gar nicht erfolgreich sind und so eben nicht jedem Hund geholfen werden kann.
Zu einer vertrauensvollen Beziehung gehört nun einmal viel, viel mehr! Schlussendlich haben bzw. nehmen auch immer mehrere Faktoren auf das Denken, Fühlen und Verhalten eines Individuums Einfluss.

Leider ist inzwischen der Einsatz von Konditionierungsmethoden immer mehr in Verruf gekommen und viele Menschen reagieren schon allergisch, wenn sie das Wort nur hören oder irgendwo lesen.
Was nachvollziehbar ist, wenn man sich einmal anschaut in welcher Form Hunde zu reinen Befehlsempfängern degradiert werden und ihnen oftmals jegliche weitere Kompetenz und Fähigkeit, sowie selbstständiges Denken und Handeln dadurch aberkannt werden.
Aber das soll jetzt hier nicht im Fokus stehen.

Was genau ist Konditionierung eigentlich?

Viel lieber möchte ich mich heute mit der Frage beschäftigen, was Konditionierung eigentlich ist und warum sie auch ihr Gutes hat.
Denn auch wenn es für mich nicht das Mittel der Wahl ist, um einem Hund oder Menschen zu helfen und ihn in seiner persönlichen Entwicklung zu unterstützen, so hat die klassische Verhaltenstherapie doch auch ihre Berechtigung und ist ja nach wie vor ein anerkanntes Therapieverfahren. Tatsächlich ist es oftmals in einer Akutphase ein wunderbares Mittel, um zumindest kurzfristig einem Betroffenen Erleichterung und wieder etwas mehr Lebensqualität zu verschaffen.

Und wenn wir uns nun einmal anschauen, wie das Gehirn tatsächlich funktioniert (Studien weisen immer öfter darauf hin, dass das bei Mensch und Hund gleich ist), dann wird klar, dass es ohne Konditionierung nämlich überhaupt gar nicht geht. Wir ALLE lernen durch Konditionierung und schlussendlich kann man das, auch wenn man es noch so sehr möchte, einfach auch nicht verhindern.
Im klassischen Sinne geht es bei Konditionierung um einen neutralen Reiz, der zu einem bedingten Reiz wird.
Ein neutraler Reiz ist ein Reiz, der keinerlei Reaktion auslöst. Durch Konditionierung wird dieser ursprünglich neutrale Reiz an eine bestimmte Erfahrung oder Reaktion gekoppelt. Und wird somit zu einem bedingten Reiz.
Dies passiert im Alltag viel häufiger, als wir uns bewusst sind. Ein einfaches Beispiel ist das Halten an der roten Ampel. Oder der berühmte Mann mit Stock und Hut, vor dem viele Hunde Angst haben. Wie gesagt, Beispiele dieser Art gibt es zahlreiche.

4 Lerntheorien

In den sogenannten Lerntheorien unterscheidet man insbesondere das Klassische Konditionieren, das operante Konditionieren, das Lernen am Modell und weiterführend das kognitive Lernen.
Die Voraussetzung für die klassische Konditionierung ist eine angeborene Reaktion, also etwas Instinktives, an die das erlernte Verhalten gekoppelt werden kann. Das wohl bekannteste Beispiel hierzu ist der Pawlow´sche Hund, der am Ende beim Ertönen der Glocke speichelt.

Das operante Konditionieren wird auch als Belohnungs- oder Erfolgslernen bezeichnet. Hier kommen sogenannte positive und negative Verstärker zum Einsatz.
Positive Verstärker (wie zum Beispiel Futter oder Lob) sind Reize, die ein Verhalten häufiger werden lassen. Negative Verstärker (zum Beispiel Schimpfen) sind Reize, die eine Verhaltensweise bestrafen und sie dadurch zum Verschwinden bringen können. Von negativer Verstärkung spricht man, wenn ein unangenehmer oder angstauslösender Reiz wegfällt oder vermindert wird und dadurch ein erwünschtes Verhalten häufiger gezeigt wird. Auch Vermeidungsverhalten bei Angst gehört zur negativen Verstärkung.

Beim Lernen am Modell findet Lernen durch Beobachtung eines Vorbildes statt. Ob ein Verhalten imitiert oder übernommen wird, hängt jedoch sehr vom sozialen Status und der persönlichen Bewertung eines Vorbildes ab.

Beim sogenannten Kognitiven Lernen finden die individuelle Wahrnehmung, Gedanken, Bewertungen, Einstellungen, also Speicherung und Informationsbearbeitung, Beachtung. Für die Gefühle und die Motivation eines Individuums wurden nämlich kognitive Prozesse als entscheidender Aspekt erkannt.

Lernen findet immerzu statt

All das finden wir nicht nur bei uns, sondern eben auch bei unseren Hunden. Somit wird nun vielleicht auch deutlich, dass Lernen immerzu stattfindet und eine sogenannte Konditionierung einfach nicht ausbleiben kann. Das Gute daran ist ja auch, dass jedes Verhalten neu gelernt und mancher Lernvorgang auch wieder gelöscht werden kann 😉
Am Ende bedeutet das, dass Konditionierung überhaupt nichts Verwerfliches ist. Sie ist sozusagen ganz normal und kommt natürlicherweise immer vor.
Heilung jedoch kann nur stattfinden, wenn immer mehrere Ebenen angesprochen werden – also Körper, Geist und Seele. Das lässt uns und unsere Hunde dann letztendlich ja auch gesund werden und bleiben 😉

Mir persönlich liegt es sehr am Herzen, dass wir lernen ganz bewusst mit solchen Dingen umzugehen. Uns unseren Hunden gegenüber sehr überlegt, bedacht und achtsam verhalten. Auch sollten wir immer wieder die Sinnhaftigkeit unseres Tuns hinterfragen. Auch Dinge, die wir häufig von unseren Hunden und auch uns selbst verlangen, dürfen regelmäßig überprüft werden!
Denn jedes Lebewesen hat es verdient (auch wir selbst!) in ALLEM gesehen, geachtet, gewürdigt und wertgeschätzt zu werden. Und somit ist es nicht notwendig, aus einem Hund einen stumpfen Befehlsempfänger zu machen und auch wir selbst sind sicherlich alle zu mehr in der Lage, als Futter in das Maul des Hundes wandern zu lassen oder eine Leine festzuhalten😉
Dennoch ist es völlig legitim, ganz bewusst und achtsam, das ein oder andere bei unseren Hunden zu konditionieren. Wenn es denn nicht schon von selbst passiert 😉
Respektvolle Kommunikation kann jedoch nicht durch Konditionierung ersetzt werden. Souveräne Führungskompetenz leider auch nicht. Aber sie kann an der ein oder anderen Stelle hilfreich sein und durchaus als Ergänzung eingesetzt werden.

Konditionierst Du noch oder entdeckst Du schon? 🥰

Ich freue mich auf Deinen Kommentar und gerne darfst Du mir auch Fragen dazu stellen!

Alles Liebe wünscht Dir
Deine Franziska

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