13.08.2017

Das Ding mit der Konditionierung

Der Begriff Konditionierung ist sicherlich jedem von Euch geläufig und gerade in der Hundeerziehung und im Hundetraining wird er ja sehr häufig gebraucht und benutzt.
Nun habe ich mich in den vergangenen Jahren viel damit beschäftigt und tatsächlich habe ich früher mit meinen Hunden auch Vieles auf dieser Basis gemacht.

In vielen Hundeschulen wird auch heute noch ausschließlich über Konditionierung gearbeitet. Am bekanntesten ist sicherlich das Führen eines Hundes über Leckerli, das Clicker-Training und die zahlreichen klassischen Befehle wie Sitz, Platz, Bleib, Fuß und dergleichen.
Inzwischen hat sich ja in den letzten 10 Jahren dahingehend vieles verändert und auch immer mehr Menschen suchen nach einem anderen Weg mit ihrem Hund, weil sie mit den klassischen Methoden nur bedingt oder gar nicht erfolgreich sind und so eben nicht jedem Hund geholfen werden kann. Und auch zu einer vertrauensvollen Beziehung nun einmal viel viel mehr gehört und schlussendlich immer mehrere Faktoren auf das Denken, Fühlen und Verhalten eines Individuums Einfluss haben bzw. nehmen.
Leider ist nun das Arbeiten mit Konditionierung immer mehr in Verruf gekommen und viele Menschen reagieren schon allergisch, wenn sie das Wort nur hören oder irgendwo lesen.
Was nachvollziehbar ist, wenn man sich einmal anschaut in welcher Form Hunde zu reinen Befehlsempfängern degradiert werden und ihnen oftmals jegliche weitere Kompetenz und Fähigkeit und auch ein selbstständiges Denken und Handeln dadurch aberkannt werden.
Aber das soll jetzt hier nicht im Fokus stehen.

Viel lieber möchte ich mich heute mit der Frage beschäftigen, was Konditionierung eigentlich ist und warum sie auch ihr Gutes hat.
Denn auch wenn es für mich nicht das Mittel der Wahl ist, um einem Hund oder Menschen zu helfen und ihn in seiner persönlichen Entwicklung zu unterstützen, so hat die klassische Verhaltenstherapie doch auch ihre Berechtigung und ist ja nach wie vor ein anerkanntes Therapieverfahren. Und tatsächlich ist es oftmals in einer Akutphase ein wunderbares Mittel, um zumindest kurzfristig einem Betroffenen Erleichterung und wieder etwas mehr Lebensqualität zu verschaffen.

Und wenn wir uns nun einmal anschauen, wie das Gehirn tatsächlich funktioniert (und hier wage ich zu behaupten, dass das bei Mensch und Hund gleich ist), dann wird klar, dass es ohne Konditionierung nämlich überhaupt gar nicht geht. Wir ALLE lernen durch Konditionierung und schlussendlich kann man das, auch wenn man es noch so sehr möchte, einfach auch nicht verhindern.
Vereinfacht bedeutet Konditionierung im klassischen Sinne, wenn ein ursprünglich neutraler Reiz (also ein Reiz, der keinerlei Reaktion auslöst) zu einem bedingten Reiz wird (also einem Reiz, der gekoppelt ist an eine bestimmte Erfahrung bzw. Reaktion). Dies passiert im Alltag viel häufiger als wir uns bewusst sind. Ein einfaches Beispiel ist das Halten an der roten Ampel. Oder der berühmte Mann mit Stock und Hut, vor dem viele Hunde Angst haben. Wie gesagt, Beispiele dieser Art gibt es zahlreiche.

In den sogenannten Lerntheorien unterscheidet man insbesondere das Klassische Konditionieren, das operante Konditionieren, das Lernen am Modell und weiterführend das kognitive Lernen.
Die Voraussetzung für die klassische Konditionierung ist eine angeborene Reaktion, also etwas Instinktives, an die das erlernte Verhalten gekoppelt werden kann. Das wohl bekannteste Beispiel hierzu ist der Pawlow´sche Hund, der am Ende beim Ertönen der Glocke speichelt.

Das operante Konditionieren wird auch als Belohnungs- oder Erfolgslernen bezeichnet. Hier kommen sogenannte positive und negative Verstärker zum Einsatz.
Positive Verstärker (wie zum Beispiel Futter oder Lob) sind Reize, die ein Verhalten häufiger werden lassen. Negative Verstärker (zum Beispiel Schimpfen) sind Reize, die eine Verhaltensweise bestrafen und sie dadurch zum Verschwinden bringen können. Von negativer Verstärkung spricht man, wenn ein unangenehmer oder angstauslösender Reiz wegfällt oder vermindert wird und dadurch ein erwünschtes Verhalten häufiger gezeigt wird. Auch Vermeidungsverhalten bei Angst gehört zur negativen Verstärkung.

Beim Lernen am Modell findet Lernen durch Beobachtung eines Vorbildes statt. Ob ein Verhalten imitiert oder übernommen wird, hängt jedoch sehr vom sozialen Status und der persönlichen Bewertung eines Vorbildes ab.
Beim sogenannten Kognitiven Lernen finden die individuelle Wahrnehmung, Gedanken, Bewertungen, Einstellungen, also Speicherung und Informationsbearbeitung, Beachtung. Für die Gefühle und die Motivation eines Individuums wurden nämlich kognitive Prozesse als entscheidender Aspekt erkannt.

All das finden wir nicht nur bei uns, sondern eben auch bei unseren Hunden. Somit wird nun vielleicht auch deutlich, dass Lernen immerzu stattfindet und eine sogenannte Konditionierung einfach nicht ausbleiben kann. Das Gute daran ist ja auch, dass jedes Verhalten neu gelernt und mancher Lernvorgang auch wieder gelöscht werden kann 😉
Am Ende bedeutet das, dass Konditionierung überhaupt nichts Verwerfliches und sozusagen ganz normal ist und natürlicherweise immer vorkommt.
Heilung jedoch kann nur stattfinden, wenn immer mehrere Ebenen angesprochen werden – also Körper, Geist und Seele. Das lässt uns und unsere Hunde dann letztendlich ja auch gesund bleiben 😉

Darum liegt es mir umso mehr am Herzen, dass wir ganz bewusst mit solchen Dingen umgehen und uns unseren Hunden gegenüber sehr überlegt, bedacht und achtsam verhalten. Auch sollte immer wieder hinterfragt werden, wie sinnvoll etwas ist, das wir tun und von uns oder unseren Hunden verlangen.
Denn jedes Lebewesen hat es verdient (auch wir selbst!) in ALLEM gesehen, geachtet, gewürdigt und wertgeschätzt zu werden. Und somit ist es nicht notwendig, aus einem Hund einen stumpfen Befehlsempfänger zu machen und auch wir selbst müssen uns nicht zu einem Futterautomaten oder dergleichen degradieren 😉
Dennoch ist es völlig legitim, ganz bewusst und achtsam, das ein oder andere bei unseren Hunden zu konditionieren. Wenn es denn nicht schon von selbst passiert 😉
Konditionierung ersetzt zwar nicht eine respektvolle Kommunikation. Aber sie kann an der ein oder anderen Stelle hilfreich sein und als Ergänzung eingesetzt werden.

Bei Fragen hierzu dürft Ihr Euch natürlich sehr gerne an mich wenden und ich freue mich auch jederzeit, wenn Ihr mir Eure Gedanken zu einem (diesem) Thema mitteilen möchtet!

Alles Liebe wünscht Euch Franziska

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