18.03.2016

Freilauf oder Leine?

Für viele Menschen ist es ja Gott sei Dank sehr bedeutend, ihrem Hund gerecht zu werden und ihn artgerecht zu halten. Und dazu gehört auch für die meisten, dass der Hund so oft es geht frei laufen darf, also ohne Leine. Dass er rennen und toben und Spaß mit seinen Artgenossen haben kann. Haben Hunde doch, so weitläufig die Meinung, einen immens großen Bewegungsdrang…

Aber was heißt in diesem Fall eigentlich artgerecht?

Wenn ich meinen Blick auf in sich gesunde und stabile Hunde werfe und somit auch auf Hundegruppen, konnte ich bisher immer eines beobachten: „Gerannt wird hier nicht!“
Soll heißen, dass ein sinn- und kopfloses Gerenne zumeist von anderen souveränen Hunden unterbrochen und unter Umständen auch gemaßregelt wird. Wobei Hunde sehr genau unterscheiden können, aus welchem Grund ein anderer Hund gerade „durchstartet“.
Die Frage ist also immer, wie sieht der Freilauf denn aus? Bewegt sich ein Hund ruhig, ist geordnet und klar im Kopf, ansprechbar und konzentriert, spricht nichts dagegen ihn frei laufen zu lassen. Natürlich darf er auch einmal kurz galoppieren, aber eben nicht die ganze Zeit und schon gleich gar nicht, um sich permanent von der Gruppe (das kann auch der Mensch sein) zu entfernen und sein eigenes Ding zu machen.
In unserer eigenen Hundegruppe konnten wir beobachten, dass alle Hunde, die neu dazu kamen, zunächst einmal überhaupt nicht vorne oder gar entfernt von der Gruppe laufen durften – und teilweise gilt das auch heute noch. Denn wichtig ist, dass man sich erst einmal in Ruhe mit viel Zeit und in verschiedenen Situationen kennen lernen kann. Denn erst wenn man sich in allen Situationen aufeinander verlassen kann, kann auch Vertrauen entstehen und wachsen. Und das ist die Grundlage für diverse Freiheiten.
Hinzu kommt, dass es wichtig ist zu wissen, wen man denn da an seiner Seite hat. Handelt es sich um einen souveränen Entscheidungsträger, ist es unbedingt notwendig, ihm Freiräume und auch Freilauf zu gewähren – aber das wie ist eben entscheidend. Wohingegen ein Typ Mitarbeiter sich sowieso nur nach Freigabe wegbewegen oder entfernen darf, zum Beispiel um einen Auftrag zu erledigen.
Ein wichtiges Kriterium ist zudem auch, ob einem Hund der Freilauf gut tut. So gibt es zahlreiche Hunde, die mit soviel Freiheit einfach überfordert sind oder sich nicht lange konzentrieren können. Das endet dann meist in sinn- und kopflosem Gerenne und darin, dass der Hund unter Umständen Fehlentscheidungen trifft oder auf einen Außenreiz übertrieben reagiert.
Auch die jeweilige Tagesform eines Hundes sollte nicht außer Acht gelassen werden. So wird es zum Beispiel immer einmal Tage geben, an denen der Hund nervös, unachtsam oder ähnliches ist. Dann ist es immer besser und auch sicherer den Hund bei sich zu führen.
Auch unser eigener innerer Zustand verdient Aufmerksamkeit. Wenn ich als Mensch, zum Beispiel weil ich krank oder gestresst bin, es nicht leisten kann bei der Sache, ruhig und souverän zu bleiben und ich einen Hund habe, der das dann für sich ausnutzt, ist es auch hier manchmal hilfreich, seinen Hund bei sich zu führen.

Hunde in ihrer Natur streben immer Ruhe, Entspannung und ein inneres Gleichgewicht an. Außerdem wird stets darauf geachtet, die vorhandene Energie sinnvoll und effizient zu nutzen und einzusetzen. Und wie kann ein Hund, der all seine Kraft schon für „Herumgerenne“ verpulvert hat, im Notfall zum Wohle aller agieren und reagieren?
Und nein, Hunde sind nicht nur ausgelastet und ausgeglichen, wenn sie sich viel bewegt haben! Im Gegenteil!

Hab ich also Hund(e) an meiner Seite, die draußen ruhig, geordnet, souverän und ansprechbar sind und die mental eine Verbindung zu mir halten können (auch ich zu ihnen), steht einem Freilauf – zumindest temporär – nichts im Wege. Andernfalls darf gerne die Leine als Hilfsmittel eingesetzt werden, denn dafür haben wir diese schönen Dinger 😉
Man muss sich also das Leben nicht immer schwerer machen als es ist und manchmal tut die Leine Hund und Mensch einfach gut!

 

 

 

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