03.02.2020

Mylo unser Künstler Teil 3

Im ersten und zweiten Teil dieser Serie habe ich Dir ja beschrieben, wie schwierig die Anfänge mit unserem Mylo waren und dass wir Gott sei Dank erkannt haben, dass er nicht das ist, was wir glaubten oder was er vorgab zu sein…

Und ich habe Dir ja versprochen, dass ich Dich teilhaben lasse an unseren Erkenntnissen und dem Warum unseres Irrwegs…


Nun, wie konnten wir uns so irren?

Zunächst möchte ich nochmals vorausschicken, dass für mich von Beginn dieses Weges mit unseren Hunden an feststand, oder ich intuitiv wusste, dass irgendwann ein Fels in der Brandung und ein Künstler unsere Gruppe und unser aller Leben bereichern würden. Eben dann, wenn wir alle dazu bereit sind. Und im vergangenen Jahr war es dann soweit, dass ich mehr als deutlich spüren konnte, dass diese Zeit gekommen war!
Aber ich hatte von Anfang an auch auf dem Schirm, dass an Schlumpi´s Seite eine Hündin mit ihm gemeinsam diese Gruppe führen würde…
Außerdem waren wir uns nach unzähligen Gesprächen im Klaren darüber, dass zuerst ein Entscheidungsträger bzw. -trägerin dazu kommen sollte. Es sollte ein noch sehr junger Hund sein, möglichst ohne größere Vorgeschichte, weil wir uns sicher waren, dass das für alle so am einfachsten werden würde… Schlumpi könne diesen noch ganz jungen Entscheidungsträger wunderbar anleiten und uns helfen, dass er bzw. sie sich so entwickelt, wie wir es für unsere Gruppe und unseren Alltag „brauchen“… und erst, wenn dieses Wesen dann mal soweit sein würde, würde der noch fehlende Mitarbeiter dazu kommen…
Schön gedacht, nicht wahr? 😉

Und dann kam Mylo…

Und genau mit diesen Gedanken und inneren Bildern machte ich mich auf die Suche… Und traf auf Mylo und es machte mit der Sekunde „Klick“…
Und alles, wirklich alles, sprach bei Mylo für einen Fels in der Brandung!
Sein ganzes Wesen (zum damaligen Zeitpunkt), sein Auftreten, seine Art mit den anderen Welpen im Zwinger zu agieren, wie er sich überhaupt im Tierheim präsentierte und auch was uns die Tierheimmitarbeiter über ihn erzählten (O-Ton „das ist definitiv ein Chef!“), sein Gangbild, seine Art Außenreize zu begutachten und zu bewerten, seine absolute Klarheit in jedem Moment, seine beeindruckende innere Ruhe und schlussendlich auch das Zusammentreffen mit unseren Hunden, das von der ersten Sekunde an mehr als respektvoll von beiden Seiten war! Es war einfach alles und in keinem einzigen Moment zeigte er etwas, das nicht für einen Leithund sprach (und das alles, obwohl er damals erst gute 5 Monate alt war!)!

Unsere Hunde waren im Vorfeld über alles informiert und wussten, um was es geht. Und so war auch klar, dass die Hunde entscheiden durften, ob es passt oder nicht und letztendlich natürlich auch, ob er mit nach Hause fährt oder nicht. Und ich sage Dir, ich habe bisher noch NIE eine so harmonische und friedliche Hundekombination erlebt wie damals zwischen Mylo und unseren Hunden und wir haben uns mehrere Stunden Zeit genommen für das erste Aufeinandertreffen!

Also haben wir nach all dem lange Zeit nicht mehr hinterfragt, ob unser „erster Eindruck“, und auch der zweite, überhaupt stimmte…
Und das Schicksal nahm seinen Lauf…

Alles, was wir im Vorfeld „gesehen“ und uns gewünscht haben, alles, was wir uns vorher fein säuberlich überlegt hatten, hatte Einfluss auf unsere Wahrnehmung!

Soll heißen, wir konnten gar nichts anderes in Mylo sehen, als diesen Fels in der Brandung, denn es war ja für uns so klar, dass diese Hundepersönlichkeit als nächstes bei uns einziehen würde…
Zudem hatten wir auch ganz klare Vorstellungen wie denn dieser neue Hund sein sollte und auch das erfüllte Mylo alles!

Folgende Erkenntnisse haben wir dazu gewonnen oder sind uns noch mehr bewusst geworden:

  • Alles, was Du Dir wünschst, kommt definitiv in Dein Leben! Nur manchmal ein bisschen anders, als Du dachtest 😉
  • Unsere eigene Wahrnehmung ist abhängig von ganz unterschiedlichen Faktoren und unterliegt zahlreichen Einflüssen!
  • Hunde auf ihre individuelle Persönlichkeit hin einzuschätzen bedarf ganz viel Achtsamkeit!
  • Dein Herz muss weit geöffnet und darf von keinen inneren Mauern verschlossen sein!
  • Hunde einzuschätzen bedarf Zeit, manchmal viel Zeit und manches Mal noch mehr Zeit!
  • Um Hunde tatsächlich einschätzen zu können, braucht es nicht nur ganz viel theoretisches Wissen, es braucht auch ganz viel Gefühl!
  • Dazu kommt, dass es manchmal eben nicht ausreicht, Hunde in einem einzelnen Moment, einer einzelnen Situation zu erleben, sondern manchmal braucht es einfach mehrere Situationen und Momente und manchmal eben auch viele verschiedene Situationen zu unterschiedlichen Zeitpunkten!
  • Um tatsächlich erkennen zu können, wer in einem Hund wirklich zuhause ist, braucht es Erfahrung und bestenfalls ein echtes und reales Zusammenleben mit jeder einzelnen Persönlichkeit und noch besser in einer festen und strukturierten Gruppe!
  • Und es braucht von der Person, die einschätzt, absolute Ehrlichkeit!
    Egoismus, Scham, Angst, festgefahrene Muster u.v.a. mehr haben hier nichts zu suchen, denn dann begibt man sich auf Irrwege und kann dem Hund und dem dazugehörigen Menschen nicht wirklich helfen! Am Ende macht man damit das Leid noch größer!
  • Ganz wichtig ist auch die eigene Offenheit und Bereitschaft das Ergebnis der ersten Einschätzung zu einem späteren Zeitpunkt nochmals neu anzuschauen, zu hinterfragen, ggf. auch mehrmals!
  • Schlussendlich ist es wichtig die ganze Geschichte eines Hundes, sein aktuelles Leben, sein Umfeld, seinen Gesundheitszustand u.v.a. mehr in die Einschätzung mit einzubeziehen!

Dass wir Menschen fehlbar sind, finde ich überhaupt nicht schlimm!
Das gehört zum Menschsein und zu einer persönlichen Entwicklung einfach dazu 😉 Wichtig ist nur, dass wir niemals stehen bleiben! Und dass wir niemals glauben, wir hätten schon genug gelernt und könnten alles! Dass wir offen bleiben für Neues und auch für Wunder! Und dass wir niemals aufhören uns selbst und das, was wir tun zu hinterfragen und zu reflektieren!
Denn eines weiß ich ganz sicher: Wir sind niemals fertig mit Lernen und niemals werden wir den Status erreicht haben von „Das kann ich eh“ oder „Das kann nur ich und kein anderer“ oder „ich kann das am Allerbesten“…
Denn wenn wir diesen Status erreicht haben, sind wir mit unserer Erfahrung des Menschseins am Ende angelangt und erleuchtet♥
Und wenn es um Hunde geht, wissen Hunde einfach am allerbesten, um was es geht und wie es geht 😉

Gerade habe ich beschlossen, dass es noch einen vierten Teil geben wird, in dem ich darauf eingehe, was alles Einfluss auf das Verhalten eines Hundes haben kann und wie sehr dieses den ersten Eindruck „verfälschen“ kann…

Du darfst also weiterhin gespannt sein 😉

Alles Liebe wünscht Dir 

Deine Franziska

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