22.01.2016

Respektvolle Kontaktaufnahme

Weil ich oft gefragt werde und ich auch immer häufiger Missverständnisse beobachten kann, möchte ich heute ein paar Erfahrungen aufschreiben, wie man zu einem Hund respektvoll Kontakt aufnehmen kann- hierbei spielt es eine untergeordnete Rolle, ob es um den eigenen oder einen fremden Hund geht!

Zunächst ist es wichtig, nicht frontal auf einen Hund zu zugehen. Souveräne Hunde nähern sich einander in einem leichten Bogen, das kann man auch als Mensch sehr gut umsetzen. Hilfreich ist auch, sich leicht seitlich zu drehen, vor allem bei ängstlichen oder unsicheren Hunden, denn nach vorne strahlen wir immer die meiste „Energie“ aus und seitlich kann man auch den Druck, den man oft unbewusst ausübt, gut rausnehmen.
Es gibt Hunde, die eine sehr große Individualdistanz haben und tatsächlich schon auf die Ferne signalisieren, dass man bloß nicht näher kommen soll – das sollte man unbedingt akzeptieren!

Sobald man merkt, dass der Hund zurück geht oder unruhig wird, würde ich erst einmal stehen bleiben und nicht weitergehen und die Reaktion des Hundes auf mein Stoppen abwarten.
Manchmal sind wir einfach viel zu schnell 😉 Auch einen Schritt zurückgehen, kann man manchmal Wunder wirken.

Auch wenn ein Hund von sich aus auf einen zukommt, heißt das noch lange nicht, dass er angefasst werden möchte. Die meisten Hunde möchten den Menschen einfach nur kennenlernen, identifizieren, anfühlen, wissen wie er drauf ist usw.

Auf Höhe des Hundes angelangt, kann man ihn ganz ruhig ansprechen und ihm auch eine Hand zum Beschnuppern hinhalten, für manche Hunde ist das aber auch schon wieder viel zu viel…
Unsere Shiva und Ashanti sind beispielsweise Hunde, die sich immer von hinten nähern und von dort aus erst einmal in Ruhe schnuppern und anfühlen möchten und sich danach auch meistens wieder entfernen.

Auch kann man sich klein machen, sprich in die Hocke gehen, das aber auch wieder seitlich gedreht zum Hund.

Wichtig ist, den Hunden nie direkt in die Augen zu schauen, das wird häufig als Angriff oder Drohgebärde gewertet – das Gleiche gilt für Sich-über-den-Hund-beugen. Den Blick abwenden oder auch den Kopf seitlich wegdrehen sind Beschwichtigungssignale, die auch Hunde untereinander einsetzen.

Ob ein Hund gestreichelt werden möchte, merkt man relativ schnell. Ich mache den Hunden oft ein Angebot, indem ich meine Hand hinhalte. Hin und wieder spüre ich aber auch sofort, dass der Hund keinen Körperkontakt möchte oder dafür einfach noch ein wenig Zeit braucht, dann lasse ich eben alles erst einmal bleiben, tut mir ja nicht weh und dem Hund gut 😉
Durch ganz feine äußere Signale machen die Hunde oft darauf aufmerksam, dass sie nicht gestreichelt werden möchten, so zum Beispiel den Kopf wegdrehen oder zurückziehen, manchmal auch einen ganzen Schritt weggehen, sich ducken, die Ohren anlegen, die Rute einklemmen oder eben auch durch Laute wie Knurren.

Falls der Hund das Streicheln zulässt oder auch möchte, dann kann man ihm mit dem Handrücken ruhig über die Brust, unter dem Kinn, an der Schulter entlang streifen. Wichtig ist auch hier, keine schnellen Bewegungen zu vollziehen und auch nicht im Gesicht oder auf dem Kopf zu streicheln, das mögen viele Hunde nicht.

Wichtig ist auch, sich insgesamt ruhig und auf keinen Fall hektisch oder schnell zu bewegen.

Und auch unsere innere Haltung, unsere Gefühlslage, Anspannung usw. spielen im Kontakt mit Hunden und bei gewünschten oder auch unerwünschten Reaktionen eine große Rolle!

Grundsätzlich empfehle ich vor allem für Kinder, fremde Hunde gar nicht anzufassen und immer erst den Besitzer zu fragen, ob das erlaubt ist!
Denn die wenigsten Hunde möchten von Fremden angesprochen oder gar gestreichelt werden und wir selbst mögen das ja auch nicht unbedingt 😉

Tatsächlich kann man viele unschöne Situationen vermeiden, wenn man solche Dinge im Umgang mit Hunden beachtet. Auch gewinnt man schneller das Vertrauen eines Hundes und kann positiv punkten, indem man diese Tiere respektiert und als die behandelt, die sie sind, nämlich keine Plüsch- und Kuscheltiere. Und warum müssen Hunde alles über sich ergehen lassen und dürfen nicht auch Grenzen setzen? Nur weil wir Menschen sind, haben wir doch nicht automatisch die Krone der Schöpfung auf. Unbewusst sind wir oft übergriffig und grenzüberschreitend. Und wenn die Hunde sich dann wehren bzw. deutlich „Nein“ sagen, werden sie gemaßregelt oder gelten häufig als unerzogen oder gar aggressiv – und das ist in meinen Augen einfach nicht fair!

Dies soll nur ein kleiner Überblick oder auch eine Stütze im Alltag sein, trifft jedoch nicht auf jeden Hund genau so zu. Gerne beantworte ich Fragen hierzu, zeige und übersetze Euch die Vokabeln der Hunde bei einem Einzeltermin oder auch bei einem meiner Seminare 🙂

Ich wünsche Euch allen ein schönes Wochenende mit Euren Lieben!
Eure Franziska

 

 

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