08.11.2016

Wachsende Kompetenzen unseres Häuptlings

Heute möchte ich Euch an einer Episode unseres Alltags teilhaben lassen, die mich sehr berührt und bewegt hat.

Es war morgens in der Dämmerung, als das Licht des Tages sich langsam aber sicher seinen Weg bahnte. Wie immer um diese Tageszeit stromerte ich mit meinen Hunden durch unser Dorf, um diesmal auf einer nahe gelegenen Wiese zu verweilen und in aller Ruhe die frische klare Luft zu genießen und zu erkunden, wer da während der nächtlichen Streifzüge seine Spuren hinterlassen hatte.
Nach einer Weile des gemeinschaftlichen Erkundens, Beobachtens und Genießens beschlossen wir gemeinsam, in freudiger Erwartung auf das Frühstück, uns langsam auf den Rückweg zu machen.
Wie meistens lief unser Schlumpf mit seiner Leine im Maul, ganz stolz und hoch erhobenen Hauptes, voraus.
Plötzlich blieb er ganz abrupt stehen, baute sich auf und blickte in Richtung Dorf. Uns signalisierte er mit einem kurzen seitlichen Blick auch inne zu halten. So standen wir alle nebeneinander und blickten gespannt in Richtung Dorf.
Stille.
Nichts.
Immer noch Stille.
Ich erwischte mich kurz bei dem Gedanken, was das denn nun werden würde.
Verwarf ihn jedoch gleich wieder, da ich gelernt habe, diesem Hund zutiefst in allem, was er tut zu vertrauen.
Ich atmete einmal tief durch und ließ mich dann auch wieder auf das Szenario ein.
Zwischenzeitlich war Herr Schlumpf einen Schritt nach vorne getreten, Herr Mops brachte sein Hinterteil ganz ruhig in Richtung Boden und auch ich wollte mich nun  nicht mehr bewegen.
Stille.
Immer noch Nichts.
Stille.
Herr Schlumpf kam nun auch zum sitzen, legte seine Leine vor sich ab und atmete tief durch. Noch einmal ein liebevoller, aber sehr bestimmter Blick in unsere Richtung, dass wir uns auch wirklich nicht weiter bewegten.
Gemeinsam blickten wir weiter in Richtung Dorf. Für mich fühlte es sich an als wären wir Eins. Verbunden durch ein unsichtbares ganz festes Band. Wunderbar.
Stille.
Nichts.
Immer noch Stille.
Kaum merkbar hob Herr Schlumpf seinen Kopf, Herr Mops ebenso.
Ein weiteres Mal versuchte ich zu erkennen, was denn da vorne los war.
Nichts.
Stille.
Ich atmete noch einmal tief durch.
Und dann konnte ich plötzlich auf circa 200 Meter Entfernung sehen, wie sich jemand aus dem Dorf heraus bewegte. Mit einem Hund. Die Jungs schauten den beiden ganz ruhig zu, keiner bewegte sich.
Als das Licht die beiden Spaziergänger erfasste, konnte ich auch erkennen, wer das war. Wir hatten schon einmal eine Begegnung mit dieser sehr netten Frau und ihrem noch sehr jungen, jedoch recht forschen und grenzenlosen Rüden. (Damals lief Schlumpi nach der Begrüßung einfach nach Hause, weil es ihm schnell zuviel wurde.)
Ich war beeindruckt, auf was für eine Distanz er die beiden schon lange bevor wir sie tatsächlich sehen konnten, wahrgenommen und identifiziert hatte. Wow! Ich teilte ihm mit wie stolz ich auf ihn war und wie sehr ich mich freute, dass wir in einer solchen Ruhe hier immer noch so sein konnten. Denn Herr Mops saß immer noch und blickte den anderen beiden gespannt hinterher.
Schlumpi leckte mir kurz über den Mund und widmete sich den Grashalmen neben ihm ;-) Für mich so erstaunlich und für ihn inzwischen eine Selbstverständlichkeit.
Noch vor ein paar Monaten wäre das so ohne meine Unterstützung nicht möglich gewesen, weder das Wahrnehmen und Einschätzen auf eine so große Distanz, noch das ruhig an einer Stelle bleiben und nicht zu den anderen hindonnern. Wohlgemerkt, ich habe ihm nichts mitgeteilt. Die Situation hat er vollständig alleine eingeschätzt und gemanagt und wir haben uns ihm angeschlossen.
Solche Momente erfüllen mich zutiefst. Sie stärken einen jeden Einzelnen von uns und somit auch unsere Gemeinschaft. Wie wunderbar! ♥

Für diejenigen, die das interessiert: Schlumpi ist unser Indianerhäuptling, sprich Zentralhund und Herr Mops ist sein Bodyguard, sprich unser vorderer Wächter :-)