08.05.2019

Worauf Du beim Welpenkauf unbedingt achten solltest!

Sich einen Welpen ins Haus zu holen und bewusst dafür zu entscheiden, ist etwas ganz Besonderes. Vor allem die Zeit davor, die Vorfreude, das Aussuchen, das Warten etc. verändert unter Umständen schon ganz viel. Jeder, der diesen Schritt geht, möchte mit ziemlicher Sicherheit einen gesunden, wesensstarken Hund, der lange Freude an seinem Leben hat.

Immer wieder erlebe ich jedoch Hunde, die zwar aus einer Zucht heraus stammen, jedoch alles andere als gesund sind. Hunde, die ihr inneres Gleichgewicht verloren haben. Die sich nicht oder nur bedingt öffnen können, kaum Vertrauen in sich und ihre Umwelt haben. Hunde, die sich ganz offensichtlich (ungesunde) Strategien angeeignet haben, um irgendwie zu überleben. Hunde, die zahlreiche Störungen entwickeln, sei es körperlicher oder psychischer Natur. Hunde, die immer wieder aufhören zu fühlen und dadurch in ihrer ganz natürlichen Kommunikation mit Artgenossen und auch Menschen eingeschränkt sind. Hunde, die hormonelle Störungen entwickeln, Allergien, nicht richtig fressen… Hunde, die oft unruhig sind, viel jammern, an ihren Menschen „kleben“, Artgenossen attackieren… Diese Liste könnte ich jetzt unendlich fortsetzen…

Wenn ich in meiner Arbeit auf solche Hunde treffe, stellt sich ziemlich häufig heraus, dass offensichtlich in der Zeit beim Züchter schon einiges nicht „rund lief“. Überall kann man lesen und hören, wie wichtig die ersten Lebenswochen sind. Die Prägung, die sogenannte Sozialisierung usw. Und mir fällt auf, wie sehr wir Menschen gerade diese erste Zeit enorm unterschätzen. Wie sehr wir uns blenden lassen von äußeren Gegebenheiten und Erscheinungsbildern. Wie sehr wir unterschätzen, was die ersten Lebenswochen und all die Erfahrungen, die ein Hund in dieser Zeit macht, nachhaltig anrichten können. Wie lange diese relativ kurze Zeit nachwirken und den Allgemeinzustand der Hunde beeinflussen kann.
In den ersten Tagen und Wochen im Leben eines Hundes wird sein Lebensbuch geschrieben! In dieser Zeit wird der Grundstein gelegt für alles, was danach noch folgen soll! So wie diese Zeit verläuft, sieht dann auch das Innenleben eines Hundes aus, unter Umständen für viele Jahre, wenn nicht sogar bis zum Ende seiner Tage!

Das klingt hart? Ich weiß! Aber mir ist wichtig, genau das in Dein Bewusstsein zu holen! Denn je mehr Du weißt, je mehr Du sehen und erkennen kannst, umso besser kannst Du Entscheidungen treffen. Umso besser kannst Du Deinem Hund wirklich helfen! Umso leichter wird Euer späteres Miteinander!
Wenn Du ein paar Dinge beachtest, kannst Du Dir und Deinem Hund viel Geld, Kraft, Energie und Sorgen ersparen!

Im Folgenden schreibe ich Dir einige Punkte auf, auf die Du achten, die Du vielleicht auch im Nachhinein einmal für Dich hinterfragen kannst:

– Das Allerwichtigste bei der Auswahl des Züchters und Deines Hundes ist Dein Bauchgefühl!!
Lass Dich bitte unbedingt von diesem leiten und führen. Und sobald Dein Bauchgefühl Dir signalisiert „Da stimmt etwas nicht“, solltest Du unbedingt darauf hören und all Deine Entscheidungen genau danach ausrichten!

– Sieh und hör genau hin!
Schaue Dir unbedingt, wenn möglich mehrmals, die Züchter an. Lerne sie persönlich kennen. Führe Gespräche so oft es nur geht. Stelle ihnen Fragen und hinterfrage soviel wie möglich. Entwickle ein Gefühl für diese Menschen.
Schau Dir die Umgebung, in der die Welpen geboren werden und aufwachsen sollen, genauestens an. Das Miteinander in diesem Haushalt, in der Familie. Insbesondere das Muttertier und bitte darum, auch einen Eindruck vom Vater gewinnen zu können. Geht es den beiden wirklich gut? Sind sie wirklich ausgeglichen und in einem inneren Gleichgewicht? Wird auf die Bedürfnisse der Elterntiere eingegangen? Wird ihnen zugehört? Wie wird mit ihnen umgegangen? Dürfen sie sein, wer sie wirklich sind? Dürfen sie eine eigene Meinung haben? Werden sie in wichtige Entscheidungen mit einbezogen oder wird einfach über ihren Kopf hinweg entschieden und gemacht? Woher kommen die Elterntiere? Wie war ihre erste Zeit?
All das hat Einfluss auf die Entwicklung der Welpen!

– Sammle Informationen über die Trächtigkeit und den Geburtsverlauf!
Denn mit dem Zeitpunkt der Zeugung beginnt die Entwicklung der kleinen Racker! Wie erging es der Mutter während der Trächtigkeit? Welchen Einflüssen war sie in dieser Zeit ausgesetzt? Wie sah ihr Leben in dieser Zeit aus? Hatte sie genug Entspannung und Erholung? Welches Futter bekam sie? Wie lief die Geburt ab? Gab es Komplikationen? Konnte sie alleine und ganz instinktiv damit umgehen oder benötigte sie Unterstützung?
Bereits hier kannst Du ganz viel erkennen, was später eventuell Einfluss auf Deinen Welpen und Euren gemeinsamen Alltag hat!

– Begleite nach Möglichkeit den Wurf vom ersten Tag an!
Lass Dir Bilder und Videos zeigen. Wenn möglich, beobachte die Welpen und ihre Mutter live, besuche sie. Entwickle auch dafür ein Gefühl!
Wieviele Welpen sind es? Wie ist die Grundstimmung im Wurf? Ist es ruhig oder findest Du eher viel „Gewusel“? Kommt jeder Welpe zu seinem Recht? Darf jeder Welpe saugen und genug Nahrung aufnehmen? Schafft es die Mutter, sich um alle Kleinen gleichermaßen zu kümmern, vor allem emotional?
Greife lieber auf einen Welpen aus einem kleinen Wurf zurück! Denn in einem größeren Wurf (8 Welpen und mehr) fängt bereits ganz zeitig Kompetenzgerangel an und hier lernen die Kleinen, sich mit aller Kraft durchzusetzen, mit Ellbogen durch die Welt zu gehen oder eben genau das Gegenteil, sich klein zu machen und so zu tun, als wären sie gar nicht da…

– Sieh Dir genau an, in welcher Form die Züchter auf die Kleinen und die Mutter einwirken!
Dürfen alle einfach ihrem Instinkt folgen? Werden sie größtenteils in Ruhe gelassen? Haben sie einen Ort, an dem sie für sich und ungestört sein können, einfach ihr Ding machen können? Oder greifen die Züchter ständig rein, fassen die Welpen an, nehmen sie heraus etc.? Gibt es Rangeleien unter den Welpen? In welcher Art positionieren sie sich zueinander?
Die Mutter und die Welpen im Großen und Ganzen sich selbst zu überlassen und von außen einfach nur stiller Beobachter zu sein, bringt am wenigsten Ungleichgewicht in die Gruppe!
Dazu musst Du wissen, dass bereits in den ersten Stunden und natürlich darüber hinaus, ganz viele wichtige Prozesse innerhalb der Gruppe ablaufen. Sie alle dienen dazu, dass sich die Welpen naturgemäß und gesund entwickeln können. Wenn ein Mensch da häufig „reinfunkt“, werden diese sehr sensiblen Prozesse und Abläufe gestört und die Welpen kommen innerlich durcheinander. Müssen viel Kraft und Energie aufwenden, um die natürliche Ordnung, das Gleichgewicht wieder her zu stellen. Diese Kraft und Energie steht ihnen dann für andere wichtige Abläufe nicht zur Verfügung!
In den ersten zwei bis drei Wochen sollten die Kleinen, außer zum Wiegen, unbedingt vollkommen in Ruhe gelassen werden!

– Beobachte und erfrage genau das Umfeld der Mutter und der Welpen!
Gibt es Kinder im Haushalt? Ist die Familie eher ruhig oder gibt es immer wieder Unruhe, Diskussionen etc.? Leben noch andere, erwachsene Hunde im Haushalt? Inwieweit haben diese Einfluss auf die Mutter und die Welpen?
Die Einwirkung, die auf mentaler Ebene von weiteren Hunden ausgeht, solltest Du nicht unterschätzen! Denn auch hier lernen die Kleinen und machen erste Erfahrungen, die nicht unbedingt hilfreich sein müssen für eine positive Entwicklung!

– Lass Dir genau zeigen und erklären, wie die Welpen an Außenreize gewöhnt werden!
Zu welchem Zeitpunkt beginnt der Züchter, den Kleinen die Welt zu zeigen? Hat das Muttertier da Mitspracherecht? Wird genau geschaut, ob jeder einzelne Welpe dazu schon bereit ist? Darf die Mutter bei allem dabei sein?
Geschieht das Vorstellen der großen, weiten Welt langsam, ruhig und behutsam und mit viel Zeit? Haben die Kleinen genügend Zeit und Raum, um all das Neue genau anzufühlen und danach auch zu verarbeiten?
Machen sich die Züchter Gedanken darüber, was Sinn macht und wirklich sein muss oder bringen sie die Welpen und auch die Mutter eher in eine Überforderung? Wie gut kennt der Züchter jeden einzelnen Hund? Wie gut ist sein Gefühl zu den einzelnen Hunden?
Den Kleinen in den ersten Wochen alles zu zeigen, was es in unserer Welt so gibt, ist meistens viel zu viel! Dein Hund hat auch später noch genügend Zeit, gemeinsam mit Dir, die Welt kennen zu lernen!

– Hinterfrage genau, nach welchen Kriterien die Welpen abgegeben werden!
Stimmt der Zeitpunkt der Abgabe für die Mutter UND für die Welpen? Wie werden die neuen Menschen ausgesucht? Nach welchen Kriterien wird hier entschieden? Wie genau wird dabei vorgegangen? Haben die neuen Menschen Raum und Zeit, die Gruppe kennenzulernen und anzufühlen, Fragen zu stellen? Wird über Grundlegende Dinge informiert und vielleicht auch am jeweiligen Welpen einiges Wichtige gezeigt?
Wenn Dein Welpe ein Zweithund werden soll… Darf dieser mit entscheiden? Dürfen die Hunde entscheiden, ob sie miteinander für die nächsten Jahre Seite an Seite gehen wollen? Und wie wird das Kennenlernen gestaltet? Haben die Hunde dafür ausreichend Zeit und Ruhe? Dürfen sie auch alleine eine Zeit miteinander verbringen?

– Beziehe auch gesundheitliche und medizinische Aspekte mit ein!
An welche Art von Fütterung werden die Welpen gewöhnt? Welches Futter bekommen sie vor die Nase gesetzt? Wie hält es der Züchter mit Impfen und Entwurmen? Wie steht es um Prophylaxe und Stärkung des Immunsystems? Ist seine Einstellung und innere Haltung eher ganzheitlicher Natur geprägt oder rein schulmedizinisch?
Auch hier kannst Du zahlreiche Unterschiede und Einflüsse auf Deinen späteren Hund finden!

Ich könnte Dir jetzt noch soviel mehr dazu aufschreiben, aber der Text ist eh schon ziemlich lang geworden… Mach Dir wirklich ganz in Ruhe Gedanken, nimm und lass Dir die Zeit, die Du brauchst! Ein Züchter, der wirklich auf das Wohl der Hunde bedacht ist, wird dafür ein großes Verständnis aufbringen und am Ende vielleicht sogar froh darüber sein!
Leider begegnen mir immer öfter Menschen, die wohl nur des lieben Geldes Willen züchten und die Gesundheit der Hunde dafür hinten anstellen.

Wenn Du Fragen hast oder Dir eine individuelle Begleitung oder Unterstützung in einer solchen Angelegenheit wünschst, so bin ich gerne für Dich da!

Deine Franziska

Beitragsbild: pixabay